Lebensweg

Ferenc Glatz wurde am 2. April 1941 in Csepel geboren. Er begann seine Schulen in Csepel und Szigetszentmiklós, besuchte dannr das Fáy Gymnasium in dem Budapester Bezirk „Ferencváros“ und studierte an der Eötvös-Loránd-Universität (1964) in Budapest.

Ab 1967 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (UAW), in 1976 wird er Abteilungsleiter, in 1985 Stellvertretender Direktor und in 1988 Direktor. Ab 1976 ist er Lehrbeauftragter an der Eötvös-Loránd-Universität, in 1979 Begründer des Faches „Historische Museologie“ und ab 1990 Universitätsprofessor. Seit 1979 Begründer und Redakteur der geschichtspolitischen Zeitschrift „História“. Mehreren Studienaufenthalten im Ausland folgend (BRD, England, Frankreich, Sowjetunion) wird er innerhalb des Internationalen Komitees für Geschichte (CISH) Hauptsekretär des Ausschusses für Neuzeitliche Methodologie und Quellenkritik (ab 1985), dann Hauptsekretär des Historiographischen Ausschusses (1990-95), als Referent nimmt er regelmäßig an den Weltkongressen der Historiker teil. Er verfasst zahlreiche, auf Ungarisch und in verschiedenen Sprachen erscheinenden historischen und geschichtstheoretischen Fachbüchern sowie Autor von mehreren Hundert Studien und Redakteur von vielen Studienbänden.

Zwischen 1989-90 Kultusminister in der zweiten Németh-Regierung. Es können zahlreiche, mit seinem Namen verbundenen Verfügungen aufgezählt werden, die einen Beitrag zum Abbau des bildungspolitischen Systems sowjetischen Typs leisteten (Abschaffung der Zensur, Abschaffung des obligatorischen Russisch Sprachunterrichts, Starten des Fremdsprachenunterrichtsprogramms, Auflösung des Schulgründungs-monopols, Neuregelung der Beziehung zwischen Kirche und Staat, die Errichtung der Grundlagen für die alternative Finanzierung der Kultur, usw.). Nach 1990 erneut Direktor des Instituts für Geschichte der UAW.

In 1993 zum Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften gewählt, zwischen 1996-2002 für zwei Perioden Präsident der UAW. Die Neudefinierung der in der Gesellschaft eingenommenen Rolle der UAW ist an seinen Namen gebunden. Er verstand die Rolle der Akademie darin, dass diese als „Ratgeber der Nation“ dienen und sich betont mit den sich für das Land und die Nation – im Laufe der europäischen Integrationsbestrebungen und des politischen Systemwandels – neu bietenden Forderungen, Möglichkeiten und Vorteilen, aber gleichwohl mit den Erschütterungen auseinandersetzen soll. Die Ergebnisse des von ihm initiierten und geleiteten Programms für Nationale Strategische Forschungen sind die Folgenden: Agrarprogramm, die Ausarbeitung von strategischen Plänen in Verbindung mit der Wasserbewirtschaftung, dem Verkehr, Sprachpolitik, Informatik, Umweltschutz, Analyse der in Folge des Systemwandels herbeigeführten Krisensituationen in den Bereichen Soziales und Gesundheitswesen, sowie der Minderheitenfrage. (Über die Zukunft sowohl der in Ungarn lebenden nicht ungarischen Völker als auch der über den Grenzen hinaus lebenden Ungarn.)

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit startet bzw. startete er stets mehrere öffentliche und zivile Initiativen. Er leitet das National Strategische Komitee für Bodennutzung und Wasserbewirtschaftung (2004), welches sich die Modernisierung der Bewirtschaftung im Theiß-Tal, im Donautal und auf dem zwischen der Donau und der Theiß liegenden Lössrückens sowie die Auflösung der sozialen Spannungen der Regionen zum Ziel setzte. Sein Name ist mit der Ausarbeitung des Programms „Dialog über den ländlichen Raum” (2005) eng verbunden, wobei das Schaffen von Arbeitsplätzen auf dem Land, die soziale und kulturelle Chancengleichheit in den Mittelpunkt gestellt werden.

Seit 1991 ist er Mitglied des internationalen Komitees zur östlichen Erweiterung der Europäischen Union. Mit Bezug auf die Humanpolitik, Kultur, Migration hielt er im Rahmen von verschiedenen europäischen Foren Vorträge und unterbreitete diesbezügliche Vorschläge. Einem internationalen Auftrag folgend ließ er das Minderheitenkodex für Ostmitteleuropa (1992) anfertigen, welches ebenfalls auf Englisch, Deutsch, Französisch, Slowakisch und Rumänisch publiziert wurde. Zwischen 1994-98 beteiligte er sich an dem von der Union initiierten Monitoringverfahren zu den Kandidatenländern, die sich auf den EU-Beitritt vorbereiteten.